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Am Dienstagvormittag schlugen wieder einmal die Fahnder zu: Die Polizei führte in Deutschland, Österreich, Holland, Polen und der Tschechischen Republik Razzien durch. Diesmal wurden mehr als 20 Server aus dem Verkehr gezogen, die mit illegalem Film-, Musik- und Software-Material bestückt waren. Laut der GVU (Gesellschaft zur Verfolung von Urheberrechtsverletzungen) mitteilte, haben die Fahnder Zentralserver der wichtigsten Releasegroups in Deutschland vom Netz genommen. Unter Releasegroups versteht man eine kriminelle Vereinigung, die Internet-Benutzern Filme oder Computerspiele auf illegalem Wege zugänglich macht.
Kurios: Die Fahnder schauten sogar bei der GVU selbst vorbei. Normalerweise gibt die Gesellschaft nur Pressemitteilungen heraus, in denen von Erfolgen bei der Jagd nach Raubkopierern die Rede ist. Kein Wunder, dass bei einer aktuellen Meldung der Kollegen von Heise in den Kommentaren viel Spott zu lesen ist. Laut einer Pressemitteilung der Gesellschaft liege der Grund für die Durchsuchungen „aller Voraussicht nach darin, die Informationen, die die GVU an die Behörden übergeben hat, zu verifizieren“.
Wir wollten es genauer wissen und haben mit dem betroffenen Hamburger Büro telefoniert. Dort bestätigte man die Durchsuchung, welche um 10 Uhr stattgefunden habe. Die GVU ist befremdet über die Aktivität der Strafverfolgungsbehörden, schließlich habe man bislang mit den Institutionen - bei der heutigen Großrazzia waren drei Behörden involviert - stets gut zusammengearbeitet. Es wurde indes nochmals betont, dass die GVU kein direktes Ziel einer Durchsuchung gewesen sei.
Update: Laut Heise deuten Indizien darauf hin, dass die Ermittlungen der GVU nicht mehr im rechtlichen Rahmen waren. So soll die Gesellschaft mindestens einen Administrator des zentralen Servers “IOH“ der Warez-Szene bezahlt haben. Auf diese Weise seien die Ermittler an Log-Dateien und IP-Adressen gekommen. Der Rechner wurde heute von der Polizei beschlagnahmt. Von so genannten Flash-Servern wie dem “IOH“ kamen die illegalen Dateien unter anderem zu Betreibern von Pay-Servern: Hier zahlen die Kunden, bevor sie beispielsweise aktuelle Kinofilme herunterladen dürfen. Demnach hätte die GVU Infrastruktur der Raubkopierer mitfinanziert.
Die Staatsanwaltschaft Ellwangen verdächtigt nun die Gesellschaft, Beihilfe zur Verbreitung von Raubkopien geleistet zu haben. Ganz schön skurril, wenn man bedenkt, dass die GVU genau dagegen kämpft. Den Kollegen von Heise zufolge deuten Recherchen daraufhin, dass wenigstens ein Mitglied der Geschäftsführung über das Vorgehen informiert war. Die Geschäftsführung und die Mitglieder der GVU setzen sich aus den großen Unternehmen der Unterhaltungsindustrie zusammen. Dazu zählen auch Branchengrößen der Computerspiel-Szene, wie Electronic Arts, Ubisoft, Take 2 oder Sony. Eine ausführliche Stellungnahme der GVU wird morgen erwartet.
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Quelle.
Krawall.de